Johnsons (3/3), Camp Iduhapi: WFR-Training

Ich bin im Camp angekommen. Noch nie wurde ich seit der Ankunft in den USA so herausgefordert wie hier und heute. Aber zuerst noch einen Überblick, was ich die Woche über bei den Johnsons gemacht habe.

Am Mittwoch hatte ich die Möglichkeit mit Paul zu einem Sport/Wellnesskomplex zu fahren. LifetimeFitness ist ein riesiger Komplex, wo man für viel Geld so gut wie alle Sportarten ausüben kann. Die Größe ist wirklich beeindruckend. Es war definitiv ein klasse Gefühl mal wieder Sport zu machen, aber HT16 gefällt mir doch irgendwie besser. Größer ist eben nicht immer besser.

Am Donnerstag bin ich mit Owen, Dylan und Rachel zu Snuffys gefahren - dem besten Burgerladen, den ich kenne. Wenn man zu Snuffys geht, muss man aber das Gesamtpaket nehmen. Das heißt: Malt, Burger und Pommes. Ein "Malt" ist ein Eiscremeshake. Das Gesamtpaket von Snuffys macht einen natürlich fertig. Das sind soviele Kalorien, wie in den Cheat days des Jahres zusammengerechnet. 

Hier ist eine Sache, die ich aber immer vergesse. Ich bestelle einen halben Malt. Mittlerweile kenne ich das Land gut genug, um nicht verrückterweise einen ganzen zu bestellen. Das könnte man machen, dann müsste man Pommes und Burger aber liegen lassen. Nun zu meinem Fehler: Der halbe Malt ist ungefähr 0,75L Eiscreme. Zu dem halben Malt gibt es aber immer noch 0.5L des gleichen Malts gratis dazu. Anscheinend haben die eine Maschine, die nur eine Größe kann. 

Wie fühlt man sich nach einem großen Burger, Pommes, Ketchup, und 1.25L Eiscreme? Erstaunlich gut. Die erste halbe Stunde jedenfalls. Danach ist der Zucker abgebaut und die eigentliche, überwältigende, Sättigung setzt ein. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Das ist Snuffys. Ich weiß, das klingt vielleicht ein bisschen abstoßend. Das Essen ist jedoch wirklich gut!

Am Freitag weiß ich gar nicht mehr, weiß ich gemacht habe. Die Männer des Johnsonsclans sind zu einem Roadtrip in den Norden des Landes zur Farm des Vaters aufgebrochen. Mit Schusswaffen im Auto, will man lieber nicht angehalten werden. Freitagabend bin ich zu meiner ersten Autofahrt alleine aufgebrochen. Es war zwar nur Target um die Ecke aber hey. Als Stammkunde habe ich etwas gemacht, was ich sonst nie gemacht hätte - mir ein Kundenkonto bei einer Supermarktkette erstellt. Das wird sich noch rendieren. Ich musste noch kaufen: Bedlacken, Schlafsack, Kissen, Kissenbezug und Sonnencreme. Vorschläge wie teuer das war?

Am Samstag dann war hier Heathers Geburtstag. Hm, ob ich ein Tag vor dem Geburtstag meiner Mutter einen 3 tägigen Wochenendtrip gemacht hätte, den man auch an einem anderen Wochenende machen kann? Glaube nicht. Naja, wir haben uns ins Kino begeben und TopGun gesehen! Der erste Teil war besser, aber den zweiten im Kino zu sehen ist schon ein Erlebnis. Anschließend waren wir -1 Familienmitglied im Restaurant. Das war wirklich eine nette Zeit. Und ich hatte seit Ewigkeiten kein so gutes Essen mehr. Ich weiß jetzt auch wie Büffelburger schmeckt. Ziemlich gut!

Vor dem Kinobesuch bin ich mit Dylan nach Hamburg gefahren. Ja, richtig gelesen. Hamburg in Minnesota! Eine großartige Gelegenheit für mich hier Autofahren zu üben, da die Kleinstadt eine Stunde südlich gelegen ist. Ich habe ein wenig mehr erwartet, aber dieses Foto ist es wert gewesen!
 Auf dem Rückweg haben wir noch einen Zwischenstopp in Köln eingelegt. Köln war aber noch langweiliger als Hamburg. Das haben die Amis richtig hinbekommen.
Das war ziemlich genau meine wunderbar entspannende Zeit bei den Johnsons. Wenn mir noch etwas einfällt, ergänze ich das. Ich bin 3 Monate lang 28 Minuten von deren Zuhause entfernt. Ich hoffe, dass diese Woche erst der Anfang war.

 Ich habe mir für die, zugegebermaßen recht ruhige Zeit, ein Ziel gesetzt, dass ich schon Monate, wenn nicht Jahre, professionell aufgeschoben habe - mich für einen Studiengang entscheiden. Mir war es wichtig, diese Entscheidung unabhängig von den Erwartungen anderer zu treffen. Die Johnsons waren hierfür ein perfekter Ort. Es war an diesem schönen Lagerfeuerplatz, an dem ich den 90 minütigen Studieninteressen- und Informationstest der Hafencity Uni für den Studiengang Stadtplanung gemacht habe. 

In dem Studienratgeber der Zeit stand ein Satz, der mich zu dieser Wahl mitmotviert hat. " Es gibt nicht den perfekten Studiengang. Man muss einfach nur Einen finden, der einem gefällt". Ich hab mir natürlich deutlich mehr Gedanken gemacht, als das hier. Aber das nimmt einfach den Druck raus. Das Leben ist dynamisch, ein Mangel an Alternativen habe ich nicht. Dementsprechend sage ich nicht "Nein" zu Psychologie und Lehramt, sondern "Ja" zu Stadtplanung. Jetzt habe ich noch einen Monat Zeit zu entscheiden, ob ich 22 oder 23 anfange. Es ist so unglaublich beruhigend endlich eine Wahl getroffen zu haben. Eine Wahl, die bestand hat und die ich ausführlich begründen kann.

Was ist es, dass mich hier im Camp in unbekanntem Maße herausfordert? Das Wilderness First Responder Training. Ich kann gut Englisch, aber kenne keine medizinischen Fachbegriffe. Eine sehr schwierige Sache. Vielleicht habe ich eine Lösung gefunden. Mal sehen. Wie immer werde ich mein bestes geben. Bei Nichtbestehen der Prüfung könnte ich aber immerhin noch eine niedrigeres Zertifikat erhalten. Wilderness First Responder ist deutlich anspruchsvoller, als ich angenommen hatte. Ich werde die Woche schon überleben. Dann folgt ein generelles, einwöchiges, Training, bevor die Kids in der zweiten Woche im Juni hier ankommen.

That's it!
Viele Grüße vom Lake Independence!
Lenny


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