Die letzten Wochen - Chicago/Camp/Chicago
Tja, ich war dann doch selbst überrascht, als ich mich im Bus nach Chicago befand. Chicago nummero drei sollte es diesmal sein. Kurz und knapp war es alternativlos und ich wusste, dass ich in Chicago immer willkommen war.
Es sollte jedoch Chicago sein, das mir wieder Orientierung und Zuversicht bot. In Chicago angekommen und abgeholt, wurde ich wirklich herzlich willkommen geheißen. Ich weiß nicht, womit ich die Gastfreundlichkeit der Andersons verdient habe, aber es war wirklich sehr sehr hilfreich.
Bestes Beispiel ist einfach der nächste Tag. Sev, Mein deutscher Kollege, wurde am nächsten Tag nicht nur vom Busbahnhof in downtown abgeholt. Nein Laura hat uns Abendessen eingepackt, uns premium Sitzplätze für ein Baseball-Spiel der Cups geschenkt und uns direkt zum Stadion kutschiert. Das nenne ich mal eine außergewöhnliche Art, einen Gast willkommen zu heißen! Das Spiel war schwer zu verstehen und dementsprechend langweilig, weil weder ich noch Sev die Regeln kannten. Als Laura mit Bier und den Regeln auftauchte, war der Abend schon viel unterhaltender! Lass es ein deutsches Wunder sein, aber die Cups haben sogar gewonnen!!
Am 7. September habe ich dann den Fremdenführer für meinen Freund gemacht. Ja, die ganzen Klassiker noch einmal: Bohne, Navy Pier, Planetarium, Route 66, Millennium Park, Loop und co. Immerhin waren ich diesmal so schlau den Tagespass für’s Leihrad zu kaufen. Aber sogar ich konnte etwas neues in Chicago erkunden: Chinatown. Was für ein Zufall, dass ich dann ausgerechnet in Chinatown die wegweisende und richtige Entscheidung getroffen habe, zurück ins Camp zu fahren. Am Abend haben wir zusätzlich noch den hippen Fulton Market angucken können.
Außerdem haben wir noch spontan eine Freundin besucht. Für Alex A. hatten wir zwar nur 3 Stunden Zeit. Die 3 Stunden hat sie jedoch gut gefüllt.
Rückblickend habe ich an diesem Tag eine, für mich, sehr schnelle aber keine übereilte Entscheidung getroffen. Am nächsten Tag, den 8.9.2022 habe ich ein weiteres Mal den FlixBus genommen. Ziel diesmal: Camp. Einige haben mich dafür kritisiert: Warum geht der Junge denn nicht reisen. Jetzt hat er doch die Chance und so ähnlich.
In kurz, meine Entscheidung war richtig. Ich hatte mehrere Optionen in Chicago auf dem Tisch um den letzten Monat USA zu überbrücken.
A) in Chicago bleiben
B) Reisen
C) Camp
Camp war die einzig richtige Entscheidung. Ersteres sollte mich, wenn auch die Andersons herzensgute Menschen sind, ein wenig deprimieren, denn mit der Stadt und dem Haus sind einfach zu viele gute Erinnerung assoziiert. Mein bayerischer Freund war zudem nur für ein paar Tage in Chicago. Man soll mich hier nicht falsch verstehen, Chicago ist einfach wunderbar
Auf Reisen hatte ich schlicht und ergreifend keine Lust.
Meine Art zu reisen ist anstrengend. Ich habe Camp außerdem im Grunde einen Monat früher verlassen, als ich ganz zu Beginn angenommen habe. Ich war insgesamt 4 Wochen in Chicago und Madison. Die Regionen, die mich interessiert, waren einfach unmöglich oder nur zu unverschämten Preisen nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Außerdem würde ich ja noch Reisen. Mein Zug, den ich Mitte August gebucht hatte, sollte mich von Chicago, durch die magischen Rocky Mountains, für eine Woche nach Kalifornien bringen.
Camp war richtig weil es mir so kurzfristig das bot, was ich brauche: eine Beschäftigung und fantastische Freunde. Am 8. September habe ich deshalb den Bus nach Minneapolis genommen.
Zurück im Camp passierte, was im Camp immer passiert: Herzen werden (again) gebrochen. Nicht mal 10 Minuten nach meiner Ankunft sollte es meins sein, 2 Wochen später wurde das meines besten Freundes Rafa im Camp gebrochen. Irgendetwas hatte es mit diesem Camp auf sich. Vielleicht war “los tres locos internationals” aber auch einfach eine verrückte Idee.
Punkt der Geschichte ist, zurück zum Camp und zu meinen Leuten erschien mir nochmals als die viel bessere Wahl, als alleine durch die USA zu reisen.
Hier wurde ich spontan zu einem Trail Ride von meinen Freunden von der Horse Barn eingeladen:
Im Grunde hat mir eine Person hier nach meiner Ankunft mehr geholfen, als alle anderen - Kimmy. Kimmy und Camp waren eine goldene Kombination.
Für 14,50/h Duschen schrubben ist nicht so schlecht. A den Wochenenden oder nachmittags haben wir dann meistens irgendetwas zusammen unternommen. Wir, das waren die Camp-Bewohner: Hector, Sian, Rafa, Sunny und ich.
An einem Wochenende fand eine Hochzeit im Camp statt. Da haben wir uns mehr oder weniger unter die Feiernden gemischt:
Es ist ein Sommercamp und ich hatte recht, dass es im Sommercamp immer etwas zu tun und zu erledigen geben sollte. Was haben wir noch so lustiges gemacht? Wir sind um die, zum Camp gehörenden, Inseln gepaddelt und haben die Inseln erkundet. Wir waren auf einem Jahrmarkt, haben Sonntags in Minneapolis Fußball gespielt, Stargazing (ich habe noch nie Jupiter, Neptun, die Milchstraße und eine echte Galaxie so klar gesehen), im Kino und auf den legendären Excelsior Apple days, wo wir meinen Freund Owen wiedergesehen haben. Wir hatten Spaß!
Während die Blätter sich im Camp also so langsam bunt färbten, ich rausbekam, wie man die Eisenrückstände aus den Duschen bekommt und wir Gnomigos zusammen das beste aus der Zeit machten, ging die Zeit ziemlich schnell vorüber. Nicht vergessen werde ich aber auch jeden Moment mit den fantastischen barn-people!
Jetzt will ich aber noch vom letzten Wochenende , und Montag, erzählen, dass mir im Kopf bleiben wird.
Wenn ich reise, würde ich immer die Menschen und die Kultur vor den Sehenswürdigkeiten vorziehen. Dementsprechend war ich ziemlich daran interessiert, mal bei einem amerikanischen Homecoming-Ball vorbeizuschauen! Was soll ich sagen, es war eine sehr nüchterne, sehr sehr schwitzige, gelegentlich auch mit Körpereinsatz verbundene, aber insgesamt witzige Angelegenheiten! Guter Ersatz für den Abiball, der für mich wegen COVID ausgefallen ist.
Warum war das letzte Wochenende und der Montag noch so gut? Wir sind hier alle noch einmal zusammen gewesen. Kimmy war hier, Sian, Hector und Rafa haben es auch noch rechtzeitig zurück geschafft (hatten eine Panne in the middle of nowhere in Iowa) und sogar Dylan und Emily haben noch einmal vorbeigeschaut. Wunderbar war auch das wirklich leckere, mit Gemüse aus dem eigenen Garten, Ratatouille zu dem uns meine Freunde Jeanna und Dan eingeladen haben. Country roads auf der Rückbank singend kann man sich bestimmt vorstellen, wie das ein guter letzter Abend war.
Als am 27. September, Dienstagmorgens um 6:30, mein Wecker klingelte, habe ich das Date mit dem Jägermeister bitter bereut. Ihduhapi sendete mir dennoch einen letzten Yuhu-Moment zum Abschied. Ich werde noch mal ein eigenes Fazit zum Camp schreiben.
Jetzt kann ich den Rest auch noch erzählen. Ich bin zur Abwechslung, oder weil ich zu spät gebucht habe, mit dem Zug von St.Paul nach Chicago gefahren. Hier habe ich einen netten Abend und die Nacht bei Alex A verbracht, bevor ich am nächsten Tag wie ein Idiot unter Zeitdruck durch Chicago geubert bin, um noch etwas zu erledigen, dessen Sinn und Zweck mir bis heute unklar ist. Wenn ich eins auf der Reise gelernt habe, dann, dass man manchmal einfach seinem Bauchgefühl folgen muss.
Es ist gerade ein seltener Moment dieser Reise, aber ich berichte tatsächlich live. Nachdem wir gestern das nichtssagendene Iowa durchquert haben, haben wir gerade Denver/Colorado hinter uns gelassen. Wir befinden uns genau jetzt auf dem Weg in die one and only Rocky Mountains!
Ich hoffe, dass es euch allen gut geht.
Das Nächste Mal hört ihr von mir in San Francisco!
Lenny





































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