Nach dem das Camp am 12. August für mich, früher als gedacht, aufgehört hat, hatte ich die besten zwei Wochen in Chicago. Eigentlich wollte ich die Stadt nicht wiedersehen und großräumig meiden. Mein abschließendes Urteil lautet: wenn man Freunde in der Stadt hat, dann ist Hamburgs Schwesterstadt ziemlich cool.
Zusammen mit Lucia (aus Spanien) und Danielle (Chicago) sind wir am Samstagmittag nach Chicago aufgebrochen. Für alle, die kein Bild von der Entfernung haben, Minneapolis ist nur 6 Autostunden entfernt. Nachdem ich alle meine Sachen gepackt habe und dem Camp eigentlich für immer Lebewohl gesagt habe, sind wir losgefahren.
Es war eine Mischung aus Anspannung und Freude, die mich bei der Ankunft der Andersons empfing. Rückblickend ist nur die Freude gerechtfertigt, denn die Andersons sind die netteste und gastfreundlichste Familie in Amerika. Ich war am Anfang ein wenig überrascht, dass die Andersons wirklich in Chicago leben, denn ich hatte amerikanische (relativ) Städte immer für wenig lebendig gehalten. In Chicago ist es jedoch umgekehrt. Die coolen Kids leben in der Stadt und der Rest eben in den Suburbs.
Es ist wirklich eine sehr schöne, sitcomartige Nachbarschaft in der die Andersons ein nettes Haus haben.
Kurz gesagt es waren wirklich nette Grundvoraussetzung für eine gute, meine beste, Zeit in Chicago. Was haben wir aber nun gemacht? Hoffentlich kriege ich das nach einem Monat noch zusammen.
An demselben Abend noch, sollte ich Zeuge der Chicagoer Gastfreundschaft werden. Der Tag unserer Ankunft war zugleich der letzte Tag bevor der große Bruder Zac zurück aufs College geht. Das war irgendwie Grund zum Feiern und das, meine deutschen Freunde, verstehen die Amerikaner! Es war ein fantastischer Abend!
Am ersten Morgen haben wir uns mit Kimmy und Kira verabredet, um den touristischen Teil für Lucia noch einmal zu erkunden. Ich weiß gar nicht mehr, wo wir überall gestoppt haben, aber im Grunde kann mal downtown wirklich in einem Tag abklappern. Hier sind wir einmal alle vor der Bohne:
Tja und den Rest des Tages haben wir uns Chicago angekuckt. Während Danielle sowas wie ein Promi in Chicago ist, mussten wir gelegentlich immer stoppen.
Es war schon ein guter Tag. Nachdem wir irgendwo gegessene haben, sind wir zurück zum Haus, wo wir aber vorher nochmal die Lebendigkeit des Viertels „Roscoe Village“ erleben durften. Hier war die ganze Woche lang ein Straßenfest, das wirklich gute Bands gebucht hat. Das war eine amüsante Zeit.
Am nächsten Tag, man kommt ja immer nicht vor Mittag los, haben wir uns zu Danielle’s High School begeben. Ich weiß gar nicht mehr, warum wir dafür den Lakeshore drive genommen haben.
Vielleicht verwechsele ich da auch was. Naja jedenfalls mussten wir Lucia vor der Abreise noch ein paar der amerikanischsten Einkaufsläden zeigen. Unter amerikanischem Jugendlichen ist Chick-fil-A eine Legende und deshalb haben wir hier einen Stopp gemacht:
Anschließend haben wir noch so einen typisch amerikanischen Zuckerstore besucht, wie wir ihn aber mittlerweile auch in Hamburg haben. Besser, beziehungsweise erstaunlicher, war dagegen der „American doll store“. Man glaubt ja immer, dass man das ganze Ausmaß an Verrücktheit und Konsumfreude nach 6 Monaten hier gesehen hat und dann geht man in diesen Puppenladen, wo es einen eigenen Beautysalon für die Puppe gibt. Mindblowing!
Den Tag haben wir, nachdem wir uns nochmal mit allen in Downtown getroffen haben, bei den verrückt tanzenden Chicago moms in Roscoe Village ausklingen lassen. Beste Unterhaltung gab es gratis dazu. Von niemand geringerem als Lady Gaga. Wir hatten zwar keine Tickets aber das wundervolle am Wrigley Field Stadion ist, dass man sich auch am Eingang wie im Stadion anfühlt. So haben wir dann wunderbar “shallow” den Abend mit Lady Gaga verbracht.
Am folgenden Tag waren es dann nur noch wir drei in Chicago, denn die anderen mussten wieder zurück zur Schule. Aber, was für ein Tag es dennoch werden sollte. Nachdem wir mal wieder spät losgekommen sind, haben wir uns für eine Fahrradtour entlang des Riesensees/Ozeans entschieden. Das war einfach großartig. Man kann wunderbar vom nördlichen Ende Chicagos bis zum Planetarium direkt am Wasser entlang biken!
Am Planetarium angekommen konnten wir sogar eine Vorstellung besuchen - etwas was bei meinem ersten Besuch nicht möglich war. Ich war dementsprechend gespannt auf meine erste Vorstellung im Adler Planetarium. Was soll ich sagen, auch wenn wir “nur” im kleinen Saal waren, war die Show doch große Klasse. Nachdem wir uns noch den legendären zweistöckigen Target, mit Rolltreppe für den Einkaufswagen, in Downtown angeguckt haben, haben wir noch einen Stopp im Millenniumpark gemacht. Zu unserer Überraschung war hier gerade Freiluftkino.
Am 17. August waren wir in den verschiedensten Gegenden Chicagos “thriften”, was man mit unseren kleinen second-hand Läden aber nicht vergleichen kann. Das ist second-hand im großen Stil und für alles. Naja, Highlight des Tages sollte aber Chicago 360 werden. Ich war schon bei meinem ersten Besuch auf der Aussichtsplattform begeistert, dieses Mal sollte es aber noch besser werden. Man kann mein Gefühl da oben im Hancok Tower, nenn mich Streber, nur mit dem guten alten Dr Faust vergleichen. Man kennt’s: (…) und soll ich zum Momente sagen, ach verweile doch du bist so schön (…)”. Yes, so gut war es da oben.
Zum einen zeigte sich Chicago hier oben wieder einmal von seiner schönsten Seite. Die Kirsche on top war natürlich das Feuerwerk am Navy Pier. Zum anderen waren es einfach zwei der besten Menschen, mit den ich da oben war. Hier ein paar Eindrücke:
Damit war der Tag aber noch nicht vorbei. Die von Herzen gute Mutter, Laura, hat uns vom Tower abgeholt und zu einer der größten Chicago Pizzen gebracht, die ich je sehen sollte. Mein erster Eindruck von Chicago Pizza war ja: Tomatensuppe! Diese Pizza war jedoch wirklich lecker. Immer noch sehr voluminös und füllend aber lecker! Das war zugleich auch der letzte Abend mit Lucia - was für ein Abend es jedoch war! Zurück im Hause der Andersons waren wir noch lange wach, um den Abschied soweit wie möglich herauszuzögern…
Am 18. August war es dann an der Zeit Tschüss zu Lucia zu sagen. Man kann Lucia schwer beschreiben, denn einfach nur zu sagen, dass sie irgendwie super nett oder cool ist, reicht nicht. Lucía ist eine der Personen hier im Camp gewesen, die mich am meisten überrascht haben. Jeder hier hat irgendwie seine Vorstellungen und Erwartungen wie sein Gegenüber wohl sein mag - was für ein Typ er/sie halt ist. Lucía ist alles andere und zugleich soviel mehr, als ich bei meiner ersten Begegnung angenommen habe. Lucia ist für mich am Ende wie eine große Schwester geworden und ich kann es kaum erwarten sie in Spanien zu besuchen. Am Ende hat sie mir einen Brief geschrieben, der so wundervoll war, dass ich Ihn immer mit mir herumtrage. Gracias!

Sonst ist an dem Tag nicht mehr allzu viel passiert. Es war an der Zeit, Zeug fürs College und allgemeine Dinge zu erledigen. Das war unter anderem der Tag, an dem ich drei Blogeinträge schrieb, nachdem ich mir, man kann sagen, Beschwerden erhalten habe. Wie üblich habe ich den Hund der Andersons, die gute Sadie, auf einen Spaziergang genommen - eine ziemlich nette Mietzahlung. Wer erinnert sich noch an den Kumpel hier aus Modern Family?!


Den Namen bitte in die Kommentare, wem der einfällt. So, am 19. August war es endlich an der Zeit! Monate überfällig war es bereits. Lenny ist (einige sagen endlich) zum Friseur gegangen. Für mich war der 19. sowas wie mein Umstyling Tag. Eine neuer Lenny. Aber der Besuch beim Friseur ist durchaus eine Erzählung wert. Ich bin zu Sportsclips gegangen - ohne große Erwartungen und mit ein wenig Nervosität. Ein Haarschnitt in einem anderen Land kann leicht in die Hose gehen. Ich war dann auch mehr als verwirrt, als ich mich 5 Minuten nach Betreten des Salons in einem Massagestuhl mit warmen Lappen auf dem Gesicht wiederfand. Aber hey, am Ende war der Haarschnitt völlig okay. An dem Tag habe ich mir außerdem neue Schuhe (lääängst überfällig) und Klamotten gekauft. Außerdem haben wir noch bei dem deutschen Kollegen vorbei geguckt:
Was die nächsten zwei Tage passiert ist, puh, da habe ich keine Fotos und eine ganz große Erinnerungslücke.
Was auch immer es gewesen sein mag, es kann nur gut gewesen sein. Ich habe nicht eine schlechte Erinnerung a Chicago. Ich vermute How to Sell Drugs online, Work und Pad Thai. Das erste was mich gerade noch einfällt ist der Abend beim Mexikaner. Wir haben uns bei einem wirklich guten Mexikaner mit ein paar Freunden verabredet. Ein charmanter Kellner, der mir wortlos eine und mehrere Margarita reichte, und nach dem Kauf einer nicht ganz ehrlichen ID später, befand ich mich auch schon in der Studentenbar MCguies. Tollpatschig wie ich bin, habe die ID auch mal direkt da verloren. Es war ein emotional/interessanter Abend.
Am 21. haben wir noch einmal die musikalische Schönheit von Roscoe Village wertschätzen können. Für non-profit haben hier einfach Nachbarn ein gutes Terassenkonzert gegeben. An einen sehr guten Eisladen kann ich mich auch noch erinnern :)
Jetzt wird’s gedächtnismäßig wieder schwammig. Ich erinnere mich am Folgetag ernsthaft nur noch an einen Einkauf bei Target. Hier haben wir Dormshopping erledigt und ich habe für meinen Kochabend eingekauft. Was ist bloß los mit meinem Gedächtnis?! Kulinarisches Highlight dieses Tages war die beste Zimtschnecke der Welt! Ja, sie schmeckt genauso gut wie sie aussieht:
Am nächsten Tag erinnere ich mich nur noch daran für die Andersons gekocht zu haben. Eine Reihe von Flammkuchen war hier meine Idee. Geschmeckt hat es, es lies aber auch lange auf sich warten. Irgendwie nicht so das Gelbe vom Ei. Naja und am 24. War auch schon der letzte Tag in Chicago. Hier kann ich wirklich mit Sicherheit sagen, dass an diesem Tag nur gepackt wurde. Wenn man fast ein Jahr in einer Studentenverbindung (Sorority) wohnt, hat man einiges zu packen.
Chicago ist die Stadt, die mir für immer in Erinnerung bleiben wird. Es ist eine Stadt, die in Deutschland einen Ruf genießt, der ihr nicht gerecht wird. Diese Stadt bringt die herzlichsten Menschen hervor, die ich auf meiner Reise getroffen habe. Ich wollte anfangs nie wieder in diese Stadt zurück. Am Ende meiner Reise werde ich insgesamt vier mal in der Stadt gewesen sein. Ich habe dieser Stadt und ihren Bewohnern mehr zu verdanken, als ich je in Worte fassen kann. All die Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesen zwei Wochen bedeuten mir mehr als sie auf den ersten Blick erscheinen. In Chicago, wo die Wolkenkratzer hoch, die Pizzen riesig und die Menschen gastfreundlich sind, habe ich mich so wohl und glücklich gefühlt, wie nie zuvor.
Thank you very much, Chicago!
Lieber Lenny, you need new shoes 👞. Und so kam dann doch das gewaltige Hoch nach dem Tief. Genieß es!!!
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